Über die Auftragsfotografie vom Leben in der DDR

Farbfotografie in der DDR - Die Traktoristin
Martin Schmidt, Traktoristin um 1965 – Erschien 1970 als Titelfoto der Zeitschrift „Lernen und Handeln“, dem Funktionärsorgan des Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD), © Stiftung Deutsches Historisches Museum

Wer in der DDR fotografiert hat, wird sich erinnern: Mit der Farbe auf den Fotos war es schwierig. Das fing schon mit der Qualität der Filme an: ORWO – wissen Sie noch? Vielleicht war das ja der Grund, warum wir die DDR Republik alle als schwarz-weiß Erinnerung im Kopf haben?

Im Deutschen Historischen Museum gibt’s jetzt eine Ausstellung zu diesem Thema, die sich ausschließlich mit der Auftragsfotografie vom Leben in der DDR beschäftigt. „Farbe für die Republik“ zeigt großformatige Farbfotos aus dem umfangreichen Sammlungsbestand, aber auch Zeitschriften, Dias und Negative. Hörstationen, die die Bildproduktion der DDR mit persönlichen Statements in den Blick nehmen, begleiten die Präsentation.

Die alltägliche DDR, die wir sahen.

Das Arbeitskollektiv in der Pause, junge Naturfreunde im sozialistisch organisierten Ferienlager oder eine fröhliche, zukunftsgewandte Traktoristin: Die Wahrheit über das Leben in der DDR erzählen diese Bilder nur zum Teil. Zu allererst waren und sind sie aber Propaganda. „Es ist eine alltägliche DDR, die wir sehen – eine gelebte DDR. Aber sie hat eben diese gweisse Botschaft, diese ‚weiche‘ Propaganda um zu zeigen: So soll es sein. So ist es schön, aber es wird noch schöner.“, so Carola Jüllig, die Projektleiterin.

Gezeigt werden im Deutschen Historischen Museum Fotos aus den Archiven von Kurt Schwarzer und Martin Schmidt. Sie arbeiteten im Auftrag von Zeitungen und Illustrierten. Sie werden gezeigt, um beurteilen zu können, wie redaktioneller Inhalt und Fotos zusammengehen. Die Bildjournalisten fühlten sich durchaus frei in der Bildgestaltung und selbst bei Exportschlagern, wie der Puppe ‚Steffi‘, dem Sozialismus verpflichtet.

Die Fotografie in Farbe sollte diese Fröhlichkeit, diesen Optimismus in der DDR verkörpern.

Martin Schmidt, DDR-Bildjournalist: „Ich möchte etwas erreichen. Ich möchte eine Verbesserung unseres Lebens erreichen und eine Stabilisierung unseres Lebens – kein Krieg, nur noch Frieden! Welche politische Bedeutung die Farbe hat, daran habe ich natürlich nie gedacht und das war auch nicht meine Motivierung. Ich habe nur Freude an der Farbe gehabt. Aber es musste eben auch ein entsprechender Inhalt sein.“

Ganz bewusst konzentriert sich diese Ausstellung auf die Fotografie in Farbe. „Sie sollte eben diese Fröhlichkeit, diesen Optimismus in der DDR verkörpern und das konnte die Farbe eben viel besser, als ein schwarz-weiß Bild.“, erklärt Carola Jüllig.

Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Der neue Skoda 1000MB [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Der neue Skoda 1000MB [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Traktoristin [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Traktoristin [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Sauenstall der LPG Semlow [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Sauenstall der LPG Semlow [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Blick vom Balkon des Altenheimes im Allendeviertel Berlin Köpenick [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Blick vom Balkon des Altenheimes im Allendeviertel Berlin Köpenick [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Paar mit Motorroller vor dem Kraftwerk Vockerode [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Paar mit Motorroller vor dem Kraftwerk Vockerode [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Im Restaurant des Interhotel Leipzig [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Im Restaurant des Interhotel Leipzig [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Fischgericht [:HSKLTR]
Hauptstadtkultur: Farbe für die Republik - Fischgericht [:HSKLTR]

Ein Hauch von Luxus im Interhotel – hier natürlich ohne StaSi und Staatswillkür. Fotos für Rezepthefte und Rezeptbücher – real waren diese Nahrungsmittel jedoch Mangelware. Und in den Bildern vom Vorzeige-Altersheim mischt sich sehr wohl DDR-Tristesse. „Ich habe das so fotografiert, wie ich es vorgefunden habe. Aber ich habe mich sehr darüber gefreut und ich sehe heute gerne meine Fotos – nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der Farbgestaltung.“, erzählt Martin Schmidt.

Eine Ausstellung, die fasziniert und provoziert – Bilder, irgendwo zwischen Alltag und Propaganda. Die Ausstellung „Farbe für die Republik“ ist noch bis Ende August im Deutschen Historischen Museum zu sehen.

  • Ort: Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin
  • Webseite: http://dhm.de
  • Verkehrsverbindung: S-Bahn: Hackescher Markt und Friedrichstraße, U-Bahn: Französische Straße, Friedrichstraße und Hausvogteiplatz, Bus: 100, 200, TXL Staatsoper oder Lustgarten, Parken: Tiefgarage unterm Bebelplatz, City Quartier Dom Aquarée
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  • Jörg Kinkertz

    Ich habe die Ausstellung heute zufällig besucht – als ob man mal eben 30 Jahre zurückversetzt wird. Erschreckend, wie vertraut einem das noch alles ist… 🙂

  • Susanne Wimmer-Schmied

    Bin durch den Beitrag hier neugierig geworden und war heute im Deutschen Historischen Museum – wirklich eine schöne Ausstellung. Eine Reise zurück in die pastellfarbene DDR. Sehr empfehlenswert! 🙂

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