Von Charlottenburgern und Wilmersdorfer Witwen: Leben in good old West-Berlin

Schloss Charlottenburg Nacht
Bild: Schloss Charlottenburg bei Nacht / ©Benjamin Janecke (CC BY-SA 3.0)

Ganz im Westen von Berlin liegt der wunderschöne Bezirk Charlottenburg. Der Name kann sich schon mal hören lassen – also im Gegensatz zu Marzahn, Pankow & Co. Benannt nach der ersten preußischen Königin Sophie Charlotte, versprüht der schicke Bezirk mit seinem gleichnamigen Wahrzeichen – dem Schloss Charlottenburg – einen Hauch blaublütigen Charme.

Höchstwahrscheinlich ist dies der Grund, warum sich viele Edelboutiquen, Schmuckhändler und gehobene Gastronomien Charlottenburg als Standort wählen. Und wo Essen, Schmuck und Kleidung zu völlig überzogenen Fantasiepreisen angeboten werden, sind die Stars und Möchtegern-Sternchen à la GZSZ-Darsteller natürlich nicht weit. Beim Frühstück dürfen die Charlottenburger sie ungeschminkt beobachten. Ab und an läuft ihnen aber auch ein echter Star wie Christoph Waltz beim morgendlichen Kiez-Bummel über den Weg. Wagt man sich am Wochenende mal zum Ku’Damm, dem einstigen „Schaufenster des Westens“, sind starke Nerven und Geduld von Vorteil, da Scharen von Touris die Gehwege verstopfen und einen entspannten Shopping-Trip unmöglich machen.

Charlottenburg - Savignyplatz
Die Ruhe vor dem Sturm Wem der Großstadttrubel mal zuviel wird, der findet ganz in der Nähe des Kurfürstendamms eine kleine grüne Oase: den Savignyplatz. ©hauptstadtkultur.de

Auch wenn Charlottenburg nicht zu den absoluten Szene-Bezirken zählt, schwirren auch hier nach Sonnenuntergang die Nachtschwärmer umher. Besonders beliebt für nächtliche Ausschweifungen ist der Savignyplatz mit seinen vielen kleinen, verruchten Bars im französischen Stil. Aber auch bei Tag bezaubert der Platz mit einer liebevoll bepflanzten Grünfläche, die umgeben von kleinen Bistros Frühstücksfans begeistert. Wer es gerne ein bisschen grüner hat, der fletzt sich ans Ufer des Lietzensees oder genießt die wunderschöne Parkanlage des Schlosses. In hochherrschaftlicher Atmosphäre kann man hier königlich die Seele baumeln lassen und ein bisschen Versailles-Feeling erleben.

Charlottenburger Kiez
Charlottenburger Kiez ©hauptstadtkultur.de

Da der Bezirk an vielen Ecken solch edlen Charme versprüht, wandeln besonders viele gut betuchte Herrschaften durch die Straßen. Also, liebe Charlottenburg-Besucherinnen: Lasst euch nicht von den bis in die Haarspitzen perfekt gestylten Frauen, die in Größe 34 den Kinderwagen schieben und an ihrem fettfreien, entkoffeinierten Caramel-Frappuccino nuckeln, einschüchtern. Nein, diese kommen nicht vom Planeten „Better-than-you“, sie haben einfach verdammt viel Zeit und Geld, sich dem perfekten Auftritt zu widmen, da der perfekt manikürte Gatte in irgendeiner Anwalts-Kanzlei um die Ecke den weniger Betuchten das Geld aus der Tasche zieht. Neben diesen interessanten Bewohnern, die sich übrigens ganz hervorragend von der Terrasse eines der vielen Cafés aus bestaunen lassen, beherbergt Charlottenburg natürlich auch weniger exzentrische Persönlichkeiten.

Für Frühaufsteher hält der kleine aber feine Markt rund um den Karl-August-Platz mittwochs und samstags, viele Spezialitäten, Leckerbissen und sympathische Verkäufer mit Berliner Schnauze bereit. Wie auch andere Bezirke der Hauptstadt, besticht Charlottenburg durch seine Vielfalt und zieht mit seiner französisch angehauchten Atmosphäre einfach jeden in seinen Bann.

Autorin: Varenia Weiland

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