Die East Side Gallery: 25 Jahre Kunst im öffentlichen Raum

Die East Side Gallery in Berlin Friedrichshain ist wohl das bekannteste Symbol der deutschen Nachwendezeit und ein lebendiges Stück Hauptstadtkultur. Mittlerweile ist das Denkmal eine weltbekannte und die weltweit längste dauerhafte Open-Air-Galerie.

Die weiße Mauer an der Mühlenstrasse Berlin
Berlin East Side Gallery – Salto von Raphael Hillebrand an der sanierten East Side Gallery, Bild: Karin Kaper Film GbR

Mit Berlin East Side Gallery haben die beiden Berliner Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies diesem gar nicht angestaubten Denkmal nun einen zweistündigen Dokumentarfilm gewidmet, der sich der bewegten Vergangenheit und der immer wieder schwierigen Gegenwart dieser einzigartigen Einrichtung widmet. Die East Side Gallery ist für alle Menschen der ehemals geteilten Stadt Berlin ein Symbol einer bewegenden Epoche. Sie ist das längste noch erhaltene Stück der Berliner Mauer und damit ein Stück deutsch-deutscher Erinnerungskultur. Zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke verläuft sie direkt zwischen dem Spreeufer und der Mühlenstrasse auf insgesamt 1316 Metern Länge und ist zu einem der HotSpots für alle Berlin-Besucher geworden.

Künstler und Sanierer vor der East Side Gallery Berlin
Malerin Birgit Kinder und Mitarbeiter der Sanierungsfirma, Bild: Karin Kaper Film GbR

Mit dem Film „Berlin East Side Gallery“ entstand nun ein Stück lebendige deutsche Geschichte im Zeichen der Wiedervereinigung und ein beeindruckendes Porträt der menschlichen Kreativität, die sich in Berlin bündelt.

Die Geschichte, der Wandel, der Film

Als East Side Gallery bekannt wurde die Mauer entlang der Mühlenstrasse erst nach dem Mauerfall im November 1989. Der Film greift jedoch auch die Geschichte davor auf, zeigt beeindruckende Filmaufnahmen und Fotos des Mauerstücks vor der dem Fall der Berliner Mauer und unterfüttert das Ganze mit zeithistorischen Statements von Reuter, Kennedy, Reagan, Brandt oder auch Schabowski, dessen Worte das Ende der Mauer und den Niedergang der DDR besiegelten.

Geschichte und Moderne - die East Side Gallery und Mercedes
Berlin East Side Gallery – „Die Beständigkeit der Ignoranz“ von Karsten Wenzel
(im Hintergrund Mercedes-Gebäude und „Living Levels“ auf dem ehemaligen Todesstreifen), Bild: Karin Kaper Film GbR

Ab 1990 begann die zunächst etwas chaotische Geschichte der East Side Gallery, als insgesamt 118 Künstler aus 21 Ländern sich auf den Überresten des antifaschistischen Schutzwalls verewigten. Man wollte die einzelnen Segmente zunächst verkaufen, jedoch wurde das Kunstwerk recht schnell als künstlerisches Kollektivwerk unter Denkmalschutz gestellt und blieb so bis heute weitgehend erhalten.

Reinigung der Wandbilder an der East Side Gallery Berlin
Berlin East Side Gallery – Öffentliche Putzaktion an der East Side Gallery Sommer 2014, Bild: Karin Kaper Film GbR

Dem allgemeinen Investoren- und Spekulantenwahn führte letztendlich dazu, dass Schneisen in das Denkmal gezogen wurden. Der Ärger entzündete sich, als im März der Investor Maik Uwe Hinkel ein weiteres Teilstück aus der Mauer entfernen ließ – als temporäre Baustellenzufahrt für sein Projekt, einen 63 Meter hohen Wohnturm direkt am Spreeufer. Daneben plant ein israelischer Investor ein Hotel. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte zu spät versucht, die Bauprojekte, zu deren Genehmigung er vom Senat gezwungen worden war, zu verhindern. Es ist, als hätte es die massiven Proteste von Denkmalschützern und Initiativen zum Erhalt der East Side Gallery nie gegeben. Damals reiste sogar der US-Schauspieler und Sänger David Hasselhoff an und ermunterte tausende Demonstranten zur weiteren Gegenwehr.

Stahl und Beton verdrängen die East Side Gallery
Berlin East Side Gallery – So wird es an der Mühlenstrasse aussehen, wenn beide Häuser fertig sind, Bild: Initiative East Side Gallery retten!

Im Jahre 2009 schließlich kam es zu einer aufwändigen Restaurierung der Kunstwerke, bei der die Künstler von einst – sofern möglich – Hand anlegten. Heute im Jahre 26 nach Mauerfall ist die East Side Gallery jedoch wieder großflächig beschmiert und mit Graffitis überzogen. Respekt vor der Geschichte sieht anders aus, liebe Touristen!

Fazit: Lob und Kritik

Es ist eine Menge Stoff, die Karin Kaper und Dirk Szuszies in ihrer filmischen Langzeitbeobachtung zusammengetragen haben. Sechs Jahre lang haben sie die sichtbaren Veränderungen dieses 1,3 Kilometer langen Mauerstücks mit der Kamera begleitet. Auch ein Stück Berliner Lokalgeschichte: „Jeder Berliner hegt ja sein eigenes profundes Vorurteil zur East Side Gallery“, sagt Filmemacher Szuszies. Die schiere Masse an zeithistorischem Material erdrückt den Zuschauer etwas. Was fehlt ist ein erzählerischer Faden und eine zusammenfassende Dramaturgie. Der Film erzählt also eher die Chronologie der Ereignisse. Es ist eher ein Sammelsurium an filmischen Impressionen, Meinungen und Sichtweisen vom Leben rund um die Open-Air-Galerie. Klar, die Sympathien sind deutlich den Beteiligten zugeneigt, die für einen Erhalt der East Side Gallery kämpfen.

Beobachterin und Beobachteter - Karin Kaper und Kani Alavi
Regisseurin Karin Kaper und Maler Kani Alavi, Bild: Karin Kaper Film GbR

Berlin East Side Gallery ist schon aufgrund seiner gewaltigen Länge eine Geduldsprobe für jeden Zuschauer. Gleichwohl ist diese Dokumentation aber auch ein filmisches Werk, welches die bewegte Stadt- und Baugeschichte der deutschen Hauptstadt wiederspiegelt.

Unsere Bewertung
Leserbewertung
[Total: 5 Average: 10]
%d Bloggern gefällt das: