Berlin Mitte erlebte und erlebt Zeiten des erneuten Umbruchs.

Der Fernsehturm: Bei Berlinern und Gästen immer im Blick
Egal von wo man sich der Stadt nähert: Der Fernsehturm ist weithin sichtbar und dient Berlinern wie Gästen als echte Orientierungshilfe. Der Ausblick vom Telespargel ist einfach sagenhaft, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. © hauptstadtkultur.de / Timor Kodal (PhotoKodal)

Wer nach Berlin reist, um die Stadt zu erkunden, wird vollkommen problemlos auch eine Woche allein in Berlin Mitte zubringen können, ohne danach wirklich den gesamten Bezirk durchforstet zu haben. Er gehört nicht nur zu den bevölkerungsreichsten Ecken der Hauptstadt – 85.295 Einwohner (Stand 31.12.2013) -, sondern wartet außerdem mit einer großen Vielfalt an Bauten, Kirchen sowie spannenden Plätzen auf.

In Berlin Mitte gibt’s jede Menge zu sehen

Bereits aus großer Entfernung ist der Fernsehturm sichtbar und kann so wunderbar als Orientierungshilfe dienen, sollte man sich trotz Navigationssystem verirrt haben. Er ist aber nicht nur von außen, sondern auch von innen (oben) ein Highlight. Der Blick aus der Vogelperspektive ist einfach sagenhaft, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Darüber hinaus strömen jährlich Millionen von Touristen hierher, um ein Foto vom Brandenburger Tor zu schießen. Neben den Mauerresten, die sich entlang der Bernauer Straße erstrecken, steht in Berlin Mitte wohl kaum ein anderes Denkmal so sehr für die deutsch-deutsche Teilung. Und damit sind wir dann auch schon in den politisch-geschichtlichen Sphären der Stadt angelangt: Ein Besuch der Reichtagskuppel sollte bei Berlintouristen genauso auf dem Plan stehen, wie einmal über den Gendarmenmarkt mit dem Französischen und Deutschen Dom zu flanieren.

Die Baustelle des Stadtschloss Berlin - das neue Humboldt Forum nimmt Gestalt an.
Das Stadtschloss in Berlin wächst aus dem Boden. Das neue Humboldt Forum steht für den Zukunftstrend in Berlin-Mitte: Glattgebügelte Kulisse für die Touristen dieser Welt. ©hauptstadtkultur.de

Die Liste der Aktivitäten, die Besucher des schönen Bezirks Mitte unternehmen können, lässt sich noch beliebig lang fortsetzen und dann wären wir immer noch nicht am Ende. Schließlich ist dieser Stadtteil in ständiger Bewegung und ein Restaurant, was heute noch lukullische Höchstgenüsse garantiert, muss morgen schon nicht mehr da sein.

Kultur, Geschichte und Shoppingmöglichkeiten begeistern Touristen

Die Chausseestrasse verbindet Mitte mit Wedding
Berlin Mitte: Chausseestrasse. Bis 1989 endete Sie direkt an der Berliner Mauer – dort, wo heute die neue BND-Zentrale steht. ©hauptstadtkultur.de

So sehr Kultur, Geschichte und gastronomische Vielfalt Magneten für Touristen sind, so sehr kotzt dies die Bewohner manchmal an. Vor einigen Jahren bin ich nach Berlin Mitte in die Chausseestraße gezogen und habe mich damals damit gerühmt, dass diese Ecke ja noch nicht so geleckt ist, wie der Rest des Bezirks. Es gab jede Menge freie Plätze, die Kapitalanleger später dazu aufgefordert haben, dort unbedingt neue Bürogebäude zu erbauen. Gefühlt, sprießt jeden Tag ein neues davon aus der Erde. Ähnlich verhält es sich mit Hotels und coolen Designer-Hostels, die den Eindruck erwecken wollen, als hätte Karl Lagerfeld sie höchst persönlich designt, aber trotzdem für schmales Geld zu haben sind. Und so dauerte es nicht lange, bis auch die Chausseestraße immer glatt gebügeltere Züge annahm.

Blick auf die neue BND Zentrale in Berlin Mitte
BND Zentrale in Berlin Mitte: Laut „Entscheidungsunterlage Bau“ der Bundesregierung (der damalige Kanzler Gerhard Schröder und sein Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier) von 2005 darf die BND-Zentrale 720,28 Millionen Euro kosten. Aktuell beziffert das Kanzleramt die Gesamtkosten auf 1,45 Milliarden Euro. Typisch Berlin halt…

Der Bau des Bundesnachrichtendienstes ist nur ein Teil auf der langen Liste der Bauten, die der einst abgewrackten Straße nun einen gehörigen Teil ihres Charmes rauben. Ein Hotel hier, eins da und dann muss unbedingt auch noch ein neuer Shopping-Tempel (direkt gegenüber vom BND) her. Schließlich waren wir bis dato völlig aufgeschmissen, wenn es darum ging, dem Konsum zu frönen. Zum Glück wird sich das zeitnah ändern. Den dazugehörigen Baulärm nimmt man ja noch gerne in Kauf.

Berlin Mitte - Chausseestrasse
Berlin Mitte - Chausseestrasse
Berlin Mitte - Streetart mit Sozialkritik
Berlin Mitte - Streetart mit Sozialkritik
Berlin Mitte - Warten an der Hafenbar
Berlin Mitte - Warten an der Hafenbar
Berlin Mitte - Lückenschluss an der Chausseestrasse
Berlin Mitte - Lückenschluss an der Chausseestrasse
Berlin Mitte - Ballhaus Berlin
Berlin Mitte - Ballhaus Berlin
Berlin Mitte - Die neue BND Zentrale
Berlin Mitte - Die neue BND Zentrale
Berlin Mitte - Abriss und Neubau ist an der Tagesordnung
Berlin Mitte - Abriss und Neubau ist an der Tagesordnung
Berlin Mitte - Durchblick
Berlin Mitte - Durchblick
Berlin Mitte - Geschichte trifft auf Moderne
Berlin Mitte - Geschichte trifft auf Moderne
Berlin Mitte - Verbauter Blick
Berlin Mitte - Verbauter Blick
Berlin Mitte - Blick in die Oranienburger Strasse
Berlin Mitte - Blick in die Oranienburger Strasse
Berlin Mitte - Das ehemalige Tacheles
Berlin Mitte - Das ehemalige Tacheles
Berlin Mitte - Kommende Luxussanierung
Berlin Mitte - Kommende Luxussanierung

Was ich allerdings nicht akzeptieren möchte, ist, dass ich selbst von den Menschen aus aller Welt wie eine Sehenswürdigkeit beäugt werde. Frei nach dem Motto: Ah, so sieht also ein Berliner aus, wenn er zum Bäcker geht oder so sieht ein Berliner auf dem Fahrrad und im Auto aus. Nein, liebe Urlauber, das führt eindeutig zu weit. Zu weit führt auch, dass jugendliche Touristen – im Rahmen von sogenannten Pub Crawls – allwochenendlich durch die Bars und Kneipen der Oranienburger Straße gezerrt werden. Mit dem Ziel, sich die komplette Dröhnung zu geben. Sollte man sich als Einheimischer am frühen Samstag oder Sonntag Morgen dorthin verirren, kommt es nicht selten vor, dass man auf blasse, Alkohol ausdünstende Gestalten trifft, die einem unverständliches Zeug entgegenlallen.

Des Hipsters Lebensraum

Außerdem lässt sich in dem seinem Untergang geweihten Bezirk Berlin Mitte auch noch ein andere interessante gesellschaftliche Type in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten: Der Hipster. In seiner Welt dreht sich alles um absolute Coolness, die natürlich vollkommen unangestrengt daherkommt. Lächeln ist nahezu unmöglich, die Klamotten sehen aus wie aus der Altkleidersammlung. Sie sind alle furchtbar wichtig und machen selbstverständlich auch genauso wichtige und angesagte Jobs, die ihnen auf der Coolnessskala weitere Pluspunkte garantieren. So attraktiv und schön der Stadtteil für die Urlauber auch ist, so sehr hat er über die Jahre von seinem Charme eingebüßt und für mich als Bewohner verloren. Daher räume ich meine Wohnung und es findet sich bestimmt ein Hipster, der bereit ist, eine sportliche Summe für diesen Lebensraum hinzublättern. Adieu, Berlin Mitte!

Autorin: Maren Fliegner

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