Erster Mai in Berlin: Tag der Arbeit

Stimmung in der Oranienstrasse - der erste Mai in Berlin
Erster Mai in Berlin Kreuzberg: In der Oranienstrasse wird ausgiebig gefeiert. Politscher Protest sieht anders aus. ©hauptstadtkultur.de – Foto: Timor Kodal

Erster Mai – das ist in Berlin seit jeher ein Datum, welches mit Arbeit recht wenig zu tun hat. Vor einigen Jahren noch kam Berlin so zumindest mit großer Sicherheit in die Abendnachrichten. Ganz traditionell schien sich das nächtliche Gefecht zwischen linksradikalen Gruppen und der Berliner Polizei einzuschleifen. Speziell bezieht sich das ganze Ritual auf den 1. Mai 1987, als in Kreuzberg bis dahin ungekannte Unruhen und legendäre Straßenschlachten ausbrachen und die Berliner Polizei sich für mehrere Stunden vollständig aus dem sogenannten Sonderbezirk36 (SO36), dem östlichen Teil Kreuzbergs, zurückziehen musste.

Seitdem führen Autonome und Antifa-Gruppen eigentlich jedes Jahr mit schöner Regelmäßigkeit eine oder mehrere sogenannte revolutionäre 1.Mai-Demonstrationen durch, bei der es sowohl in der Nacht auf den 1. Mai, der Walpurgisnacht, als auch am Abend des 1. Mai immer wieder zu Zusammenstößen und Randalen kommt.

Die Autonome Kamera berichtet nicht ganz ernst gemeint aus vergangenen Tagen bzw. Nächten:

Erster Mai in Kreuzberg – damals und heute

Der Sonderbezirk 36 war ein Schwerpunkt der autonomen Hausbesetzer- und Punk-Bewegung in Berlin – das war in den 80’ern. Heute zeichnet sich jedoch mittlerweile ein ganz anderes Bild. Der Bezirk ist mit dem Mauerfall im November 1989 plötzlich ins Zentrum von Berlin gerückt und hat über die Jahre hinweg einen krassen Wandel vollzogen. Aus dem schnoddrigen Kreuzberg ist ein Inn-Bezirk geworden, in dem Immobilieninvestoren ihre Geschäfte machen, berlintypische Ecken und Kanten glattgeschliffen werden und Mega-Mütter ihre Kinder im Görlitzer-Park stillen. Mittlerweile bildet das Myfest das Zentrum der Feierlichkeiten rund um den „Tag der Arbeit“ in Kreuzberg. Berlin rüstet sich aber nach wie vor: Banken werden verrammelt, Luxuskarossen verschwinden von den Strassen, Luxusimmobilien werden geschützt – man weiß ja nie.

Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 2
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 2
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 3
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 3
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 4
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 4
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 5
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 5
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 6
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 6
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 7
Erster Mai in Berlin - Momentaufnahmen - Bild 7

Kreuzberg bereitet sich unterdessen auf das große Straßenfest mit Zehntausenden Besuchern vor, dass jedoch auch dem mittlerweile typischen Festklische entspricht: Freß- und Saufmeile. Auch im Friedrichshain bereiten sich Anlieger vor, obwohl der Showdown am Boxhagener Platz mittlerweile im Weding stattfindet. Fehlt eigentlich nur noch für unsere attraktionsbegierigen Touristen der Gang in den Autonomen-Späti, um Steine von der Stange und Farbbeutel im Dreier-Spar-Pack zu besorgen und dann ab zum Viehtrieb!

Auf einen Blick

  • Wann: Erster Mai
  • Wo: Kreuzberg
  • Beginn: 11:30 Uhr
  • Webseite: www.myfest36.de
  • Bus: Mariannenplatz (140), Heinrichplatz (M29), Waldemarstr./Adalbertstr. (140), Waldemarstr./Manteuffelstr. (140), Adalbertstr./Oranienstr. (140, N8, M29), Adalbertstr. (147), Görlitzer Bahnhof (M29), Wrangelstr. (140), Kottbusser Tor (140, N1, N8)
  • U-Bahnhöfe: Görlitzer Bahnhof, Kottbusser Tor

Autor: Orlando Mittmann

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