Erika-Hess-Eisstadion – Arschkalt hier?

Das Erika-Hess-Eisstadion ist der diesjährige Veranstaltungsort der Berliner Fashion Week.
Fashion Week Berlin: 2014 im Eisstadion – Brrr. ©hauptstadtkultur.de

Fashion Week Berlin: Nachdem die Mercedes Benz Fashion Week Berlin in den vergangenen Jahren immer mal wieder umziehen musste – vom Bebelplatz ans Brandenburger Tor (mit einem Gastspiel an der Siegessäule) – wird sie in diesem Juli im Wedding stattfinden. Genauer gesagt im Erika-Hess-Eisstadion (EHE).

Fashion Week im Eisstadion?

Fashionweek 2014 in Berlin: Das Erika-Hess-Eisstadion. ©hauptstadtkultur.de
Könnte auch der Eingangsbereich des benachbarten BND sein: Das Erika-Hess-Eisstadion in Berlin-Wedding – Austragungsort der diesjährigen Berliner Fashionweek. Ganz und gar unglamourös. ©hauptstadtkultur.de

Klingt unglamourös? Ist es auch. Das Ausweichen auf eine andere Location für die Sommerausgabe der Fashion Week hängt natürlich damit zusammen, dass im Juli die WM stattfindet und die Straße des 17. Juni zur leidlichen Fanmeile wird.

Die Frage ist allerdings, wie die Wahl gerade auf das Eisstadion im Wedding viel, der noch wenigstens zum Hipsterbezirk Mitte gehört. Obwohl der Stadtteil ja schon seit einiger Zeit als cool und aufstrebend gilt, hat er mit dem Modeglamour nun wirklich nicht viel zu tun. Für viele ist der Wedding noch immer ein Problembezirk. Ob man soweit gehen sollte, ist natürlich fraglich und sicherlich nicht einfach zu beantworten. Unstrittig ist, dass die Müllerstraße, unweit des Eisstadions, mit ihren Dönerbuden, Casinos, Shisha-Bars und Euroshops nur wenig mit High-Fashion und dem entsprechenden Lifestyle zu tun hat. Laurèl und kik gehen irgendwie schlecht zusammen.

Location ohne Charme.

Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 01 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 01 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 02 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 02 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 03 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 03 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 04 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 04 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 05 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 05 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 06 - hauptstadtkultur.de
Erika-Hess-Eisstadion: Fashionweek 2014 - Bild 06 - hauptstadtkultur.de

Auch das Stadion selbst sieht so aus, als sei es bereits vor Jahren geschlossen worden – dieser Umstand würde die Location schon fast wieder für die Fashion Week prädestinieren, aber: Sie besitzt nicht den Charme, der zum Beispiel einer alten, leerstehenden Fabrikhalle innewohnt.

Oft liebäugelt die Designer-Mode mit speziellen urbanen Versatzstücken wie Ghetto-Kultur, Abrisshäusern, Grafittis, Beton-Tristesse etc. und lässt sich von ihnen inspirieren. Der Trick ist, dass die Designer-Mode erst durch diesen Bruch noch exklusiver wirkt. Hierzu taugt die Eishalle allerdings nicht, da ihr wichtige Attribute fehlen: Sie ist weder morbid, noch lässt sie den Besucher minimalistische Kälte spüren, noch hat sie eine lange, bewegte Geschichte hinter sich, noch irgendetwas, das die Mode in der Inszenierung stärken könnte. Das Gebäude evoziert schlicht keinerlei Emotionen.

Chanel macht es vor – aber richtig!

Und wer jetzt die Chanel-Show, die Karl Lagerfeld kürzlich in Paris inszenierte, pro EHE ins Feld führen will: Ja, das „Thema“ Supermarkt hat hier funktioniert, aber eben nur darum, weil das ganze Bühnenbild die Kollektion in ihrer Wirkung bestärkt hat. Der Bruch hat für einen noch größeren Fokus auf die Mode gesorgt. Hinzu kommt, dass diejenigen, die sich diese Kollektion leisten können, sicherlich nicht mit dieser zum Aldi einkaufen gehen (und auch nicht zum Rewe oder Kaisers). Ach ja: Die Supermarkt-Kulisse wurde im altehrwürdigen Grand Palais in einem der feinsten Bezirke von Paris erbaut.

Mode als Distinktion.

An diesem Beispiel zeigt sich auch eines der wichtigsten Merkmale der Mode: Distinktion. Mittels der Mode grenzen wir uns, ob bewusst oder unbewusst, von anderen Gruppen ab – und das tut jeder von uns. Wie sich der vielzitierte Mitte-Hipster mit seinem Jutebeutel von der French-Nails-Barbie aus Mahrzahn abgrenzt, tut es die Chanel-Trägerin mit ihrer 2.55-Tasche und demonstriert damit ihre Schichtzugehörigkeit. Ebenso tut es der Weddinger Dönerbuden-Besitzer mit seinen Schnellfickerhosen oder die Rockabilly-Lady mit ihrem Petticoat.

Das Aufeinandertreffen des glamourösen Fashionzirkus mit der eher bodenständigen Laufkundschaft der Müllerstraße könnte aber durchaus sehr interessant werden.

Autor: Benjamin Blum

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  • Peter Garz

    Im Erika-Hess-Eisstadion ist die Zeit echt stehen geblieben. Das Personal dort sprüht förmlich vor Westberliner Charme – dumme Witze inklusive!

    Es gibt zwei Wasserhähne zum Händewaschen und Trinken und stinkende Toiletten ohne Klobrille oder Deckel. Ein Schild weist darauf hin, sich nicht mit Schuhen auf die Kloschüssel zu stellen, sondern sich hinzusetzen. Ich frag mich jedes Mal, wer überhaupt auf so eine Idee käme?

    Es gibt keine Schließfächer oder Ablagemöglichkeiten für Klamotten. Es gibt eigentlich nichts, wo man sich mal hinsetzen könnte. Ringsherum sind Plattenbauten und der BND. Prima ist anders…^^

    • Hallo Peter, schön ist wirklich was anderes. Aber ein Gutes hat das Erika-Hess-Eisstadion – es liegt sehr zentral. Für den schönen Schein müssen die Dekorateure eben mal die Pobacken zusammenkneifen und nen extra Zahn zulegen, um aus dem Schloß der Eiskönigin einen Tempel der Modeschöpfung zu machen. 😀

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