Der Arbeiterbezirk Friedrichshain im Wandel der (Ge)Zeiten.

Streetart in Berlin Friedrichshain
Eines kann man mit Sicherheit sagen: An Kreativität mangelt es in Friedrichhain wahrlich nicht. Es gibt viele coole Streetart-Aktionen zu sehen. Einfach mal die Augen aufmachen! © hautptstadtkultur.de

Der Berliner Ortsteil Friedrichshain erfreut sich seit einiger Zeit mehr oder minder des Prädikats „Szeneviertel“. Gerade im Sommer überfallen Scharen von Touristen und Feierwütigen insbesondere den Kneipenkiez der Simon-Dach-Straße und die Clubmeile an der Revaler Straße.

An den Wochenenden in den Abendstunden der Monate Mai bis September ist hier kaum noch ein Durchkommen – wir berichteten bereits im Artikel „Alle wollen auf den Abenteurspielplatz Berlin„. Doch der Kiez hat wesentlich mehr zu bieten. Neben linken Sozialprojekten und einem unterirdischen Labyrinth sorgt der Kiez meist für mediales Aufsehen, wenn es mal wieder darum geht, Clubs vor der staatlich verordneten Schließung zu retten.

Bis zum 19. Jahrhundert war die Region – damals noch Stralauer Vorstadt – eher dörflich geprägt. Erst als 1842 der Frankfurter Bahnhof, Mietskasernen und Fabriken gebaut wurden, war es mit der ländlichen Idylle vorbei. Doch bereits damals wurde ein Grundstein gelegt, dessen Einfluss bis in die Jetztzeit überall in Friedrichshain spürbar ist: Schon in den 1920er und 1930er Jahren war der Ortsteil eine Hochburg der Sozialdemokraten, Kommunisten und Andersdenkender – was den Nazis natürlich überhaupt nicht schmeckte. Noch heute ist Friedrichshain bei Linken und Punks sehr beliebt. Dafür sprechen nicht zuletzt einige der berühmtesten besetzten Häuser Berlins (in der Mainzer Straße und Rigaer Straße) – die in den letzen Jahren allerdings polizeilich geräumt wurden.

Stalinbauten mit Kaffee und Tee
Das „Kaffee und Tee“ am Frankfurter Tor. Der Charme der Stalinbauten spiegelt sich hier besonders stark wieder. Hier wird gerne verweilt, obwohl das Café an einer brüllend lauten Kreuzung liegt. © hautptstadtkultur.de

Im Zuge des Wiederaufbaus entstanden viele Plattenbauten und mit der Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) der Pracht-Boulevard der DDR schlechthin. Diese bildete einen krassen Unterschied zum sonstigen Arbeiterbezirk (im Wappen hatte selbst der Berliner Bär eine Schaufel in der Hand). Nach der Wende erlebte der Ortsteil – mal wieder – einen Wandlungsprozess. Die vielen Leerstände zogen die bereits angesprochenen Hausbesetzer an. Mit ihnen folgten Bars, Kneipen und Veranstaltungsräume.

Das Kunsthaus Urban Spree in Friedrichshain
Urban Spree ist kreativer Freiraum in Berlin-Friedrichshain mit Ausstellungen und Workshops zur urbanen Kultur. Es fungiert auf dem RAW-Gelände als Kunsthaus mit einem großen Freigelände. © hautptstadtkultur.de

Ein willkommener Anlass für Studenten, sich niederzulassen und für Touristen, alkoholische Kaltgetränke zu sich zu nehmen. Doch mit dieser Entwicklung ist Friedrichshain längst nicht am Ende angekommen. In letzter Zeit macht der Bezirk besonders mit Gentrifizierung von sich reden. Anwohner beschweren sich über die lautstarken Gäste der Bars, die geplante Media-Spree vertreibt Clubs und bedroht die viel zitierte Partyszene, Mieten steigen immer weiter und wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis der erste H&M-Laden (abgesehen von dem im Ring-Center) seine Pforten öffnet. Dies ist nämlich ein wirklich interessanter Fakt: Abgesehen vom besagten Einkaufszentrum gibt es derzeit im Ortsteil keine eigenen Läden der gängigen Modeketten und selbst McDonald’s hat vor langer Zeit seine Filiale am Frankfurter Tor geschlossen. Ganz so weit scheint es mit der Gentrifizierung also vielleicht doch noch nicht gekommen zu sein.

Autor: Benjamin Blum

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