25 Jahre Mauerfall: Jubiläum steht unter keinem guten Stern

25 Jahre Mauerfall - hier an der Bösebrücke begann die glücklichste Nacht aller Berlinerinnen und Berliner.
25 Jahre Mauerfall: Am 9.November 1989 öffnete sich an der Bornholmer Strasse die Berliner Mauer nach 28 Jahren. Heute heißt der Vorplatz der Bösebrücke „Platz des 9.November 1989“. ©hauptstadtkultur.de

Am 9. November vor 25 Jahren fiel die Mauer. Das Jubiläum zum Mauerfall ist ein wichtiges Jubiläum, das gut organisiert begangen werden will. Doch die Planungen von Berlin und Bund sind nicht gerade weit fortgeschritten. Bei einer Anhörung vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses wurde darüber diskutiert.

Das große Jubiläum „25.Jahrestag des Mauerfall“ ist ein Höhepunkt im Berliner Terminkalender. Das wird groß gefeiert, sollte man meinen, oder? Kaum zu glauben, aber jetzt, ein halbes Jahr vor dem Termin wissen Berlin und der Bund immer noch nicht genau, wie das Jubiläum begangen wird. Manches wurde vorbereitet, wie man gestern im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses vom neuen Kulturstaatssekretär Tim Renner erfahren konnte, vieles ist aber noch nicht einmal geplant, geschweige denn organisiert. Es macht derzeit den Anschein, dass Berlin sich die nächste Peinlichkeit an Land zieht – nach BER, S-Bahn, Stadtschloss, BND, Wohnungsbau, Energiewende, Tempelhofer Feld etcetera, etcetera, etcetera.

Lichtgrenze entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989

Am 9.November soll daran erinnert werden, dass nach 28 Jahren Berliner Mauer, Berlinerinnen und Berliner mit ihrem Mut des gesellschaftliches Protestes Ost und West wieder zusammengefunden haben – es ist der Tag des Mauerfalls. Im Abgeordnetenhaus gab es hierzu einen ersten Vorgeschmack. 8000 leuchtende Ballons über 12 Kilometer aufgereiht entlang der ehemaligen Grenze. Am Abend sollen sie dann aufsteigen und die Mauer erneut symbolisch auflösen – das Highlight des Wochenendes. Schön und gut, sollte man meinen, aber wenn das Problem ist wie so oft hausgemacht.

25 Jahre Mauerfall - Lichtgrenze Mauerpark entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989 ©Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder
25 Jahre Mauerfall - Lichtgrenze Mauerpark entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989 ©Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder
25 Jahre Mauerfall - Lichtgrenze Brandenburger Tor entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989 ©Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder
25 Jahre Mauerfall - Lichtgrenze Brandenburger Tor entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989 ©Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder
25 Jahre Mauerfall - Lichtgrenze Checkpoint Charlie entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989 ©Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder
25 Jahre Mauerfall - Lichtgrenze Checkpoint Charlie entlang des ehemaligen Berliner Mauer zum 9. November 1989 ©Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder

„Wenn wir uns im Kulturausschuss im Mai 2014 über das laufende Gedenkjahr 2014 unterhalten, dann ist das alles ein bisschen zu spät. Das Abgeordnetenhaus war bisher nicht in die Planung des Mauerfall – Jubiläums einbezogen und es herrscht auch keine Transparenz, deshalb ist das Vorgehen hier ein wenig misslich.“, so Sabine Bangert, kulturpolitische Sprecherin von BÜ‘90/Grüne.

„Dieses wirklich große Projekt unterstützen hunderte von Partnern, wie die beispielsweise die Robert Havemann Gesellschaft oder die Stiftung Bernauer Straße. Gerade laufen die Abstimmungen mit der Bundesregierung, was man hier zusammen tun kann. Ich glaube, wir sind hier vollkommen im Zeitplan.“, kontert Moritz van Dülmen von der Kulturprojekte GmbH.

Entlang der Bernauer Strasse in Berlin verlief die Berliner Mauer.
Blick auf einen Teilabschnitt der Mauer Gedenkstätte an der Bernauer Strasse in Berlin. Hier verlief die ehemalige Mauer direkt entlang der Strasse. ©hauptstadtkultur.de

Mauerfall Jubiläum weiterhin unklar

Jedoch hat es zu lange gehakt in den Absprachen zwischen Senat und Bundesregierung. Bislang war nur klar, dass Klaus Wowereit und Angela Merkel das umgebaute Dokumentationszentrum an der Mauergedenkstätte Bernauer Straße eröffnen werden. Zusätzlich will sich der Bund mit einer Festmeile zum Mauerfall Jubiläum beteiligen – natürlich am Brandenburger Tor, wo auch sonst. Schließlich sei es ein Tag der Bürger, hört man von offizieller Seite. Da ist er wieder – der Rummel am Brandenburger Tor…

Die Opposition kritisiert die kulturpolitische Akzentsetzung des Berliner Senats. Die Linke bezeichnet das Vorgehen als „Leipziger Allerlei“ – man macht mal wieder irgendwas, dann eröffnet man mal wieder irgendetwas oder schneidet mal wieder irgendwo ein weißes Bändchen durch. Das ist Kulturpolitik ohne Ziel und Plan.

Der neue Kulturstaatssekretär Tim Renner, der eben erst sein neues Amt übernommen hat, kämpft bereits mit der Argumentation. Allein kann Berlin so viele Gedenktage nicht stemmen. Er sieht die Notwendigkeit, alle Kulturprojekte im Auge zu behalten. Die Konzentration auf bestimmte Highlights benachteilige andere Projekte. Zudem möchte er den Bund einfach nicht aus seiner Pflicht entlassen. Es ist wichtig, mit dem Bund zusammenzuarbeiten und uns auf die wesentliche Arbeit zu konzentrieren, so Renner im gestrigen Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses.

Für Mitte Juni ist nun geplant, dass Senat und Bundesregierung ihre Pläne zum Mauerfall Jubiläum offiziell vorstellen und am 9.November gemeinsam an Berlins glücklichste Stunden erinnern.

Über den 9.November 1989 und die Erinnerung daran

Die Mauer ist weg! Die Nacht aller Nächte - der 9. November 1989
Vergeblich bemühten sich die Grenztruppen, den massiven Ansturm der Bürger auf den Grenzübergang einzudämmen. Für die Grenzer brach eine Welt zusammen, nachdem 28 Jahre lang die Mauer als antifaschistischer Schutzwall binnen Stunden seine Bedeutung verlor. ©hauptstadtkultur.de

Am 9. November 1989 gab Günter Schabowski auf einer Live-Pressekonferenz bekannt, dass DDR-Bürger ab sofort alle Grenzübergangsstellen zur Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) nutzen können, um auszureisen. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und kurze Zeit später standen bereits hunderte Menschen am Grenzübergang Bornholmer Straße.

Der Leiter des Grenzübergangs Bornholmer Straße, Oberstleutnant Harald Jäger, fragte bei seinen Vorgesetzten mehrmals nach, wie weiter zu verfahren sei, erhielt von diesen jedoch keine bzw. nichtssagende Anweisungen. Nach dem Auslösen der Alarmkette kam die Anweisung (ab zirka 21:20 Uhr) einzelnen Leuten die Ausreise zu genehmigen. Der DDR-Personalausweis erhielt dazu einen Stempel halb über das Lichtbild. Dies sollte eine Wiedereinreise in die DDR verhindern – die Personen wurden darüber aber nicht in Kenntnis gesetzt. Jedoch versammelten sich immer mehr DDR-Bürger Grenzübergang, an welchem aufgrund des massiven Ansturms bereits um 23.30 Uhr die Passkontrollen eingestellt wurden. Um 00:15 Uhr schließlich wurden jegliche Bemühungen, den Menschenstrom kontrolliert einzudämmen, aufgegeben. Die Mauer war gefallen!

 

Unsere Bewertung
Leserbewertung
[Total: 7 Average: 8.6]
%d Bloggern gefällt das: