Der neue Berliner Kulturstaatssekretär heißt Tim Renner: Die Überraschung bei der Neubesetzung des scheidenden André Schmitz.

Paukenschlag in Berlin: Tim Renner wird der neue Kulturstaatssekretär für die Berliner Hauptstadtkultur. Der 49-Jährige soll André Schmitz folgen, der Anfang Februar wegen einer Steueraffäre zurückgetreten und dann in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden war.

Tim Renner (49), Ex-Punk und SPD Mitglied wird Wowereits neuer Kulturstaatssekretär und Verwalter der Hauptstadtkultur.
Tim Renner (49), Ex-Punk und SPD Mitglied wird Wowereits neuer Kulturstaatssekretär und Verwalter der Hauptstadtkultur. Tim Renner / © Alexander Mertsch

Viele Namen waren im Gespräch bis zur überraschenden Entscheidung am gestrigen Tage. Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit stellte Tim Renner als neuen Kulturstaatssekretär vor. Der Berliner wird Ende April den Posten von André Schmitz übernehmen. Bis dahin will er sich noch um die Übergabe seiner Firma Motor Entertainment kümmern. Die Entscheidung überraschte alle Akteure der Hauptstadtkultur und sorgte für nachhallendes Echo. Tim Renner hatte niemand auf dem Zettel. Er ist selbst so etwas wie ein Popstar seiner Branche. Das er ab 28.April die Hauptstadtkultur verwalten soll, ist für den regierenden Bürgermeister eine logische Wahl, soweit man das so bei unserem Pannen- und Partybürgermeister interpretieren kann.

Klaus Wowereit: „Er ist sicher auch ein wenig unkonventionell. Das mag den einen oder anderen vielleicht etwas irritieren, aber das ist eben auch Berlin und er passt insofern eben auch gut zu Berlin. Aber er ist natürlich auch jemand, der seriös ein großes Unternehmen in Berlin geführt hat.“

Der gebürtige Berliner Renner war Chef der Universal Deutschland und brachte den Konzern von Hamburg an die Spree. Dann gründete er sein eigenes Unternehmen – Motor Entertainment. Der Entdecker von Bands wie Rammstein will sich in den nächsten 2 Monaten von seinem Unternehmen verabschieden und ab dann auch für die Hochkultur da sein. Tim Renner: „Für mich ist Berliner Kultur alles zwischen Barenboim und Berghain oder zwischen Radialsystem und Rammstein. Das ist ein ganz weites Feld, in dem wir spielen können, in dem wir spielen müssen.“

Von Verwaltung hat Renner noch keine Ahnung, aber ihn reizt nach eigenen Angaben die Verantwortung. Er will die freie Szene stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken: „Dabei bin ich allerdings ganz zuversichtlich, weil ich glaube, dass man durchaus vermitteln kann – dass Kultur, dass freie Szene für diese Stadt weit mehr ist, als etwas, was schön ist zu haben oder was man aus moralischen und ästhetische Gründen vorantreibt oder vor sich her trägt. Es ist hier, ohne der Ökonomisierung der Kultur hier das Wort reden zu wollen, durchaus natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor.“, so Renner.

Die Kunstszene reagiert positiv

Diese Ansichten sorgen in der Berliner Hauptstadtkultur für Begeisterung, so auch bei Christoph Knoch (Koalition der Freie Szene): „Er weiß eben auch aus seiner Arbeit als Musikproduzent, wie gearbeitet wird, wenn man in Projekten arbeitet. Wie gearbeitet wird, wenn man sich als individueller Künstler dazu entscheidet, etwas zu machen und sich ein Projekt zusammenzustellen.“

Jochen Sandig (Radialsystem) dazu: „Er ist sozusagen nicht der staatstragende Staatssekretär für Kultur, so wie man das Bild dieses Postens interpretieren würde. Er ist wirklich jemand, der sehr bodenständig ist, der mit den Leuten direkt zu tun hat. Man kann auch sagen: Unser Mann im roten Rathaus.“

Dass er schon lange nicht mehr in der Oper war, bekennt Tim Renner freimütig, aber auch dort sieht man die Entscheidung eher positiv. Dietmar Schwarz (Deutsche Oper) erwartet sich neue Impulse und eine neue Sicht auf das Opern-Geschehen in der Stadt und meint: „Das man gerade in so einer Stadt wie Berlin, die ja auch als Partystadt gilt, dann vielleicht auch die Opernhäuser integriert – sozusagen von der anderen Ecke her. Davon erhoffe ich mir sogar sehr, sehr viel.“

„Im Theater, in der Oper, im Konzert habe ich ihn mein Leben lang noch nicht gesehen.“, so Peter Raue, Berliner Kulturexperte und weiter: „Das ist vielleicht auch nicht sein Hauptgebiet. Aber er hat jetzt zwei Jahre, um sich zu profilieren und ich bin gespannt. Er ist ein wahnsinnig sympathischer Kerl.“

Tim Renner – Chef von Motor Entertainment

Tim Renner lobte aber auch seinen Vorgänger André Schmitz: Ohne diesen hätte er sich das Amt nicht zugetraut – „wenn ich nicht wüsste, dass da ein Haus ist, was sehr, sehr gut aufgestellt ist“. Er sieht sich selbst als Mittler zwischen etablierter und junger Kulturszene, da er hier auch gut vernetzt ist. Außerdem ist er SPD-Mitglied. 2004 war er Mitbegründer von „Motor FM“. Er moderierte für den NDR und schrieb für das Pop-Magazin „Tempo“. Seit 2009 ist der in Berlin geborene Renner auch Professor an der Pop-Akademie Baden-Württemberg.

Als Chef von Universal Deutschland gab Tim Renner neue Impulse für Berlin – keine Frage. Auch als erfolgreicher Unternehmer hat er gezeigt, wie wichtig Netzwerke sind. Er hat sich im Kultur- und Kreativbereich dieser Stadt eingebracht und wird hoffentlich weiter den Kultur-Standort Berlin nach vorne bringen. Zu wünschen ist es ihm, denn viele Kultur-Projekte scheitern in den Mühlen der Berliner Senatsverwaltung.

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