re:publica – Into the wild? Into the mess!

The Hoff auf der re:publica14
Aus dem Publikum wurde Hasselhoff gebeten, „Looking for Freedom“ zu singen. Erst zögerte er, dann schmetterte eine Zuschauerin die erste Liedzeile. Hasselhoff stimmte ein und schon sang der ganze Saal mit ihm „I’ve been looking for freedom, I’ve been looking for so long.“ © DAVIDS/Gregor Fischer, re:publica14

Für Blogger, Hacker, Whistleblower und andere internette Gestalten ist Berlin derzeit der Nabel der Welt. Alles dreht sich um Digitale Medien und wie sie unser Leben und unsere Stadt verändern.

[adrotate banner=“1″]

Wirtschaftsfaktor Digitale Medien

Berlin ist die Stadt der digitalen Wirtschaft. Alle 20 Stunden wird hier ein neues Internet-Unternehmen gegründet. Im vergangenen Jahr waren es ganze 469 Gründungen. In keiner anderen Branche der Hauptstadt sind Umsatz und Beschäftigtenzahlen so stark gestiegen wie im digitalen Sektor. Zweistellige Zuwachsraten lassen die Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) in eine gute Zukunft für Berlin schauen: „Ganze 20% im Jahr wächst der digitale Wirtschaftsbereich. Das heißt, hier werden junge, kleine Unternehmen größer und erfolgreicher und so von Großunternehmen entdeckt, mit denen es dann zu Kooperationen kommt.“

Berlin präsentiert sich somit als idealer und optimaler Standort für die digitale Szene, die sich im Rahmen der Berlin Web Week auch auf der re:publica traf, um sich über die Trends der digitalen Wirtschaft von morgen auszutauschen. Zum achten Mal öffnete die europaweit größte Konferenz für Internet-Themen ihre Pforten: „Into the wild“, die ungezähmte Netzkultur, war das Motto und Thema der re:publica. Das Happening wurde als „Das Ereignis“ proklamiert und stellt laut Veranstalter das „Gipfeltreffen der digitalen Gesellschaft“ dar. Ach was – naja, Berlin hat mit Superlativen nie gegeizt. Wie konträr sich dann solch eine Konferenz zeigt, lässt sich gut mit der Tatsache veranschaulichen, dass der eine, Edward Snowden, in Abwesenheit gefeiert wurde, während der andere, David Hasselhoff, leibhaftig anwesend und um Aufmerksamkeit bemüht war.

re:publica - Into the wild (Bild 01)
re:publica - Into the wild (Bild 01)
re:publica - Into the wild (Bild 02)
re:publica - Into the wild (Bild 02)
re:publica - Into the wild (Bild 03)
re:publica - Into the wild (Bild 03)
re:publica - Into the wild (Bild 04)
re:publica - Into the wild (Bild 04)
re:publica - Into the wild (Bild 05)
re:publica - Into the wild (Bild 05)
re:publica - Into the wild (Bild 06)
re:publica - Into the wild (Bild 06)
re:publica - Into the wild (Bild 07)
re:publica - Into the wild (Bild 07)
re:publica - Into the wild (Bild 08)
re:publica - Into the wild (Bild 08)
re:publica - Into the wild (Bild 09)
re:publica - Into the wild (Bild 09)
re:publica - Into the wild (Bild 10)
re:publica - Into the wild (Bild 10)
re:publica - Into the wild (Bild 11)
re:publica - Into the wild (Bild 11)

Und am Ende singt er doch – David Hasselhoff

Merkwürdig, dass David Hasselhoff immer dann auftaucht, wenn es um Frieden und Freiheit geht. In einer „VIP-Lounge“ der re:publica sprach er als selbsternannter Experte von seinem Manifest für „Digital Freedom“. Auf der re:publica suchte er hierfür Unterstützung: „Jeder, der hier ist, kennt sich doch mit dem Internet aus. Da wird doch sicher eine Idee haben, wie man sowas umsetzen kann.“ Ahja…

Wie schmerzvoll die eigene Erfahrung mit dem Verlust der Privatsphäre ist, hat The Hoff ja vor einigen Jahren selbst gemacht, als er im Vollrausch in einem Video auftauchte und Burger in sich reinstopfte. Er berichtete, dass er mehrere Tage mit dem Versuch verbracht hat, das Video aus dem Netz zu bekommen. Damals stamme das Video vom Computer seiner Tochter, der von Geheimdiensten gehackt worden sei. Diese Gefahr habe er nun erkannt und möchte die breite Masse warnen: „Sie können Deine E-Mails lesen, sie können Deine SMS lesen, sie können Deine Fotos und Adressbücher sehen, alles.“

Das „Manifest der digitalen Freiheit“ ist ein Crowd-Sourcing-Projekt. Jeder kann hier noch bis Ende Juni in einem Wiki alles hineinschreiben, was ihm zum Thema „Freiheit im Netz wichtig ist. Nachdem es dann überarbeitet ist, von Rechtschreibung und Grammatik einmal abgesehen, soll es dann politischen Entscheidungsträgern wie Angela Merkel, Barack Obama oder auch Wladimir Putin übersandt werden. Nutzen? Ungewiß.

Nicht, daß jemand vermutet, er wäre eingeladen. Nein, eine finnische Sicherheitsfirma, die mit Hasselhoff das Projekt initiiert, dachte sich, daß er sich gut als Werbeträger für das Projekt auf der re:publica machen würde. Und so hat der David sich fein gemacht – schicker Anzug, rotes Einstecktuch, blaue Augen. Für die Mühe gabs dann auch Leckerli für den Sänger-Schrägstrich-Schauspieler. Er wurde zum „Freedom-Ambassador“ (Freiheitsbotschafter) gekürt. Eine weitere ehrenvolle Trophäe, nachdem er schon als Befreier des Ostens und Ritter der East Side Gallery gilt. Traurige Randnotiz: Er glaubts wirklich.

Das Internet – mein Lebensraum

Netzaktivisten, Blogger und Onliner begreifen das Internet als ihren Lebensraum. Doch der ist gefährdet und muss verteidigt werden: „Die re:publica dient dazu, technische und politische Strategien zu diskutieren, wie wir das Netz wieder aus den Händen der kriminellen Geheimdienste entreißen können.“, so der Gründer des Happenings, Andreas Gebhard. Im Kern geht es in Zukunft darum, wie wir das Netz wilder und chaotischer machen können und so eine Kontrolle durch den Staat erschweren oder gar unmöglich machen können. Ein Weg ist die sogenannte Kommunikations-Guerilla, die Kommunikationswege großer Unternehmen infiltrieren soll, um Geheimnisse aufzudecken, Machenschaften zu entlarven und Rechtsverstöße offenzulegen.

Into the wild - die re:publica 2014 in Berlin
Berlin ist die Stadt der digitalen Wirtschaft. Alle 20 Stunden wird hier ein neues Internet-Unternehmen gegründet. 2013 waren es ganze 469 Gründungen. „Into the wild“, die ungezähmte Netzkultur, war das Motto und Thema der re:publica. ©hauptstadtkultur.de

Wir alle haben es uns zu gemütlich gemacht in der digitalen Gesellschaft. Genau darum muss man die eingeschlagenen Wege verlassen und wild sein. Wir dürfen uns nicht auf Politiker, Systeme oder die Internetwirtschaft verlassen, sondern selbst mit Aktionen aktiv werden. Die re:publica hatte viele ernste Themen, aber auch den typischen Berliner Eventcharakter. Es ging auch hier ums sehen und gesehen werden – Vor Ort genauso wie online. Und so kann man resumieren: Mainstream Party-Conference in schmuddeligem Umfeld, katastrophaler gastronomischer Versorgung, völlig überlaufenen Speakerlounges und Z-Promi Unterhaltungswert. Nur etwas für die nerdigsten aller Nerds. Effektive Mehrwerte für das ganz Alltägliche lassen sich hier weniger erkennen und finden.

Autor: Orlando Mittmann

Unsere Bewertung
Leserbewertung
[Total: 5 Average: 10]
%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen