Visit Berlin – Tourismus Vermarkter der Berliner Lebensart



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Visit Berlin präsentiert Tourismus in Zahlen: Unterm Strich lieben alle Berlin!

hauptstadtkultur.de - Geschichte

Sechs von zehn Deutschen waren noch nie in Berlin – und das ist auch gut so! Denn hier ist noch eine Menge Potential für den Berlin-Tourismus drin. Der rennt derweil von einem Rekord zum anderen. Im vergangenen Jahr 2015 gab es erneut mehr Übernachtungen als je zuvor. Die genauen Zahlen hat „Visit Berlin“, die Marketingagentur der Hauptstadt Berlin nun vorgelegt.

Touristen aus aller Welt lieben Berlin – und das immer mehr. Sie lieben die Hotspots der Geschichte. Ob East Side Gallery oder Checkpoint Charlie – sie lieben die Stadt und die Hauptstadtkultur. Die Stadtvermarkter von Visit Berlin präsentierten nun die neuesten Zahlen für 2015:

  • Es gab mehr als 30,25 Millionen Übernachtungen – ein Plus von 5,4 Prozent.
  • Die Besucherzahl stieg auf 12,37 Millionen Gäste – ein Plus von 4,2 Prozent.

Somit gehört Berlin zum Club „Ü30“, den zehn größten Metropolen weltweit mit über 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Und die Gäste kommen aus aller Welt. Auf den vordersten Rängen:

  1. Engländer
  2. Amerikaner
  3. Kanadier

Jeder Berlin Besucher lässt durchschnittlich 200 Euro am Tag in unserer Stadt. Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) meint hierzu: „Sie wollen die authentischen Orte der Geschichte erleben – der guten wie auch der bösen Geschichte. Sie wollen aber auch sehen, welches Lebensgefühl die Stadt so in aller Welt bekannt macht, welche Investitionen hier getätigt werden und welche neuen Anziehungspunkte entstanden sind.“

Partystimmung am 1.Mai in Kreuzberg
Erster Mai in Berlin – Zum Blogbeitrag. In der Oranienstrasse wird ausgiebig gefeiert. Politscher Protest sieht anders aus. Foto: Timor Kodal

Die Hauptstadt Berlin – stetiger Wandel inklusive

Die Stadt verändert sich permanent und bietet ständig neue Perspektiven. Es wächst wieder, was lange weg war und es wird enger in der Stadt. Neben unzähligen Büro- und Geschäftsgebäuden entstehen auch immer mehr Hotels. Besonders hier ist das Angebot größer, als die Nachfrage. Die Hotelauslastung lag 2015 bei nur 60 Prozent. Seit Jahren kämpft Visit Berlin schon mit dieser Schere, die weiter auseinanderklafft.  Das Überangebot ist nach wie vor  da. Genau aus diesem Grunde sind die Hotelpreise in Berlin im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten sehr viel niedriger sind.

Wahrlich sprunghaft erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen in den letzten 5 Jahren um satte 10 Millionen. Berlin sei attraktiv, weil authentisch. Hierzu gehört zum Beispiel eine lebendige Clubszene und auch die vielen Partyareas unter freiem Himmel während des Berliner Sommers. Doch der Platz für Freiräume schwindet – jüngstes Beispiel ist das Yaam.

Critical Mass Berlin - Sonntagstour
Ein lebendiges Stück Hauptstadtkultur – Die Critical Mass Fahrradbewegung in Berlin. Jeden letzten Freitag im Monat finden sich um 20 Uhr Hunderte, gar Tausende Fahrradfahrer ganz spontan zusammen, um gemeinsam durch die Stadt Fahrrad zu fahren. Foto: Orlando Mittmann

365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag

Berlin braucht neue Investitionen und Bauvorhaben – gar keine Frage. Aber das, was Berlin ausmacht – das Freie, das Urwüchsige – zieht besonders junge Menschen an und soll auch erhalten bleiben. Die Szene sucht bereits nach letzten Lücken und zieht mittlerweile sogar schon bin zum Westhafen nach Moabit. Berlin – 24 Stunden geöffnet, genauso wie die Abfalleimer der BSR. So die ganze Stadt und so das neue Credo der Berlin-Vermarkter und ihrer Kampagne. Früher hieß es mal: Berlin ist durchgehend geöffnet! Nun drückt das eine Formel aus: 365, 24, Berlin!

Zahlen und Fakten über den Berlin Tourismus - Infografik
Berlin hat eine neue Rekordmarke überschritten: Erstmals wurden 2015 mehr als 30 Millionen Übernachtungen in der deutschen Hauptstadt gezählt. Die Infografik von visitBerlin präsentiert übersichtlich die wichtigsten Fakten zum Berlin-Tourismus 2015.

PDF Download: Berlin Tourismus Infografik (PDF, Quelle: Visit Berlin)

Nachgefragt: Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin

Zuständig für diese neue Kampagnenstrategie ist Burkhard Kieker, Chef der Vermarktungsagentur Visit Berlin. Auf die Frage, ob der neue Kampagnen-Slogan nur eine Retro-Version des alten Slogans „Berlin – 24 Stunden geöffnet“ ist, entgegnete er, dass es sogar ganz im Gegenteil so wäre. Es sei ziemlich Future, was Visit Berlin da macht. „Wir wollen einfach zeigen, dass Berlin zu den ganz wenigen Städten zählt, die so viel an Kulturproduktion hat – von ernster Kultur, von Pop-Kultur, von Unterhaltungskultur – sodaß man garnicht erst in den Veranstaltungskalender schauen braucht, bevor man hier hin kommt. In Berlin ist immer was los! Ein Event jagt den anderen ohne Atempause – eben 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.“

Nun könnte man meinen, dass die Art des Slogans natürlich auch symbolisiert, dass auch nachts durchgehend  geöffnet ist. Eine besondere Einladung an all die Low-Cost-Carrier Nutzer, die hier insbesondere zum Feiern und Party machen herkommen, oder nicht?

„Das ist nicht einmal die größte Gruppe, die zu uns in die Stadt kommt. Alle glauben immer, die Low-Cost-Gruppe stellt den größten Anteil der Berlin Tourismus – weit gefehlt. Es sind die kulturinteressierten Leute zwischen 50 und 60 Jahren, die schon ein bißchen Geld haben. Sie stellen 20% des Besucheranteils. Die wollen wir besonders ansprechen. Die jungen Leute wissen eh, was hier los ist.“

Eine andere große Gruppe bei den Übernachtungen der Berlin-Gäste sind die Messe- und Kongressteilnehmer. Wie sagen die Zahlen hier über den Trend aus?

Das sind mit unsere wichtigsten Besucher, weil die auch am meisten Geld in der Stadt lassen und Geld kann nie schaden. Rund ein Viertel aller Übernachtungen geht auf das Konto von Messen, Kongressen, Meetings, Hauptversammlungen. Eine Sanierung des ICC wäre unbedingt erforderlich, denn wir brauchen Kapazität. Tempelhof ist jetzt auch für eine ganze Weile nicht verfügbar, was wir auch gespürt haben. Dennoch sind wir weiter gewachsen. Alle wollen nach Berlin und die Nachfrage ist wirklich enorm!

Bei den 30 Millionen Übernachtungen sind diejenigen noch garnicht drin, die nicht im Hotel übernachtet haben, sondern irgendwo bei Freunden oder Bekannten auf der Couch.

„Ja, das stimmt – da sind die Ferienwohnungen und die Couch-Surfer nicht berücksichtigt. Wir gehen davon aus, dass hier noch einmal die gleiche Menge, also ungefähr 30 Millionen, obendrauf kommen.“

Der gesunde Menschenverstand sagt einem ja, dass dies kaum noch steigerbar ist, oder etwa doch?

„Wahrscheinlich ist dies schon noch steigerbar – moderat. Wir wachsen ja auch nicht sprunghaft, sondern richtig schön ruhig und linear. Ich glaube einfach, dass Berlin zurückschwingt in einen Normalzustand, den wir schon einmal in den Goldenen Zwanziger und den Anfang dreißiger Jahren hatten. Dann haben wir uns aus der Geschichte ausgeklinkt – jetzt kommen wir zurück! Wir sind ‚the comeback story‘ und es wird noch ne Weile so weitergehen.“

Berlin ist aus der Sicht anderer Marketing-Strategen mehr und mehr das leuchtende Beispiel. Sie werden doch sicher oft gefragt, wie Sie das anstellen. Ist da nicht das Risiko des Jahr-für-Jahr-Anstieges, auf das irgendwann auch mal ein Rückschlag zukommt? Was sind die Risiken, die den Trend entgegnen können?

„Nun Risiken, gibt es genug in der Welt – sehen sie sich die Politik und die Wirtschaft an. Also wenn es eine große Wirtschaftskrise gibt, werden wir das natürlich auch merken,. Obwohl auch das mit Vorsicht zu genießen ist, wie das Beispiel aus 2008 zeigt, wo drum herum alles den Berg hinabging. Auch hier ist Berlin weiter gewachsen. Die Welt sieht nicht so wirklich gut aus im Moment und wir sind auch nicht ganz sicher, ob wir das nicht noch spüren werden. Das werden wir am Ende des Jahres erst messen können.“

Macht das Thema Flüchtlingskrise irgend etwas aus, was den Berlin Tourismus angeht?

„Wenig, sehr wenig. Ich merke eigentlich nur bei Auslandsaufenthalten, das uns dafür sehr, sehr große Sympathie entgegengebracht wird. Da gibt’s auch schonmal Applaus für das großartige Engagement der Stadt, insbesondere der Berlinerinnen und Berliner.“

Interview vom 18.02.2016, rbb